106. Zuger Kantonales in Oberägeri
Bericht von Michi Arnold
Am vergangenen Sonntag fand das 106. Zuger Kantonalschwingfest in Oberägeri statt. Nach 1982 durfte die Gemeinde Oberägeri wieder einmal Austragungsort eines kantonalen Kranzfestes sein. Bei angenehmem Schwingwetter traten die Innerschweizer sowie drei Schwinger vom befreundeten Gästeklub aus dem Berner Oberland auf dem Areal der Maienmatt an. Mit 2700 Besucherinnen und Besuchern war die Arena ausverkauft.
Insgesamt standen 203 Schwinger am Start, darunter die vier «Eidgenossen» Marco Reichmuth, Marcel Bieri, Sven Schurtenberger und Marc Lustenberger. Bereits beim Anschwingen setzte der Luzerner Marc Lustenberger ein erstes Ausrufezeichen, indem er den Zuger Eidgenossen Marco Reichmuth mit einem gültigen Resultat ins Sägemehl beförderte. Für einen leichten Dämpfer im Innerschweizer Publikum sorgten zudem die Berner Brüder Ivan und Reto Thöni, welche beide ihren ersten Gang siegreich gestalten konnten. Reto Thöni bodigte Mitfavorit Lukas Heinzer, während Ivan Thöni einen Plattwurf gegen Fabian Scherrer verzeichnen konnte.
Bis zur Mittagspause konnte jedoch keiner der Favoriten sämtliche Gänge gewinnen. Zur Freude der Zuschauer lag der Zuger Thomas Bucher mit der Maximalpunktzahl von 30.00 in Führung. Dahinter überraschten die beiden Luzerner Christian Huser und Nils Theiler mit ebenfalls drei Siegen. Vor allem Theiler hatte ein hervorragendes Notenblatt vorzuweisen, in welchem er unter anderem den «Eidgenossen» Marco Reichmuth sowie dessen Bruder Roland bodigte. Am Ende des Tages belohnte er sich mit dem Kranzgewinn und einem Lebendpreis im Rang 3a.
Der Kampf um die Schlussgangteilnahme war hochdramatisch. Die beste Ausgangslage hatten die beiden Eidgenossen Marc Lustenberger und Marcel Bieri. Der Edlibacher Bieri bekam es mit dem Kranzer Roman Bucher zu tun. Diese Aufgabe meisterte er nach Gangmitte mit einem Plattwurf. Marc Lustenberger wurde mit Lukas Heinzer eingeteilt. Der Schwyzer erwies sich als zäher Kontrahent und konnte sich mehrmals aus brenzligen Situationen retten. Am Ende lief Lustenberger die Zeit davon, sodass sich die beiden nach sechs Minuten die Hand zum Gestellten reichen mussten.
Davon profitieren konnte der Morschacher Bruno Suter. Durch die Maximalnote im fünften Gang gegen David Wüest qualifizierte er sich erstmals für einen Schlussgang. Im Schlussgang waren die Rollen klar verteilt, jedoch bekundete Favorit Marcel Bieri mehr Mühe als erwartet. Bruno Suter konnte sich gegen die Angriffe erfolgreich verteidigen. Nach einem Kurzversuch von Bieri setzte Suter sogar zu einem Konter an, welcher jedoch nicht zum Resultat führte. Nach etwas mehr als fünf Minuten setzte der Zuger zu seinem hohen Kurzangriff an, kam durch und bodigte den Schwyzer platt ins Sägemehl. Somit konnte der «Eidgenosse» das Zuger Kantonale bereits zum dritten Mal gewinnen. Besonders speziell daran war, dass das Fest von seinem Klub organisiert wurde – gleich wie das Innerschweizerische Fest 2024 in Menzingen, welches er ebenfalls gewinnen konnte.
Hinter Bieri klassierte sich der Luzerner Jonas Troxler im Rang 2. Er stellte lediglich im ersten Gang gegen Fredi Bruhin und verzeichnete danach nur noch Siegeskreuze im Notenblatt. Im dritten Rang klassierten sich, wie bereits erwähnt, Nils Theiler, Marc Lustenberger und der Berner Ivan Thöni. Rang 4 erreichte das Luzerner Schwergewicht Sven Schurtenberger, einen Platz dahinter folgte Schlussgangteilnehmer Bruno Suter.
Insgesamt wurden 33 Kränze verteilt. Davon sicherten sich die Luzerner 14 Kränze, die Zuger acht, die Schwyzer deren sechs. Je zwei Kränze gingen an Ob- und Nidwaldner sowie an die Gäste aus dem Berner Oberland. Einen Kranz erkämpften sich die Urner.
Die Urner Aktivschwinger traten mit einer sehr jungen Mannschaft in Oberägeri an. Lediglich Jonas Gisler, Elias Epp und Marco Herger wussten bereits, wie sich das Gewinnen von Eichenlaub anfühlt, und nur der Seedorfer Gisler konnte bisher mehr als einen Kranzgewinn feiern. Die 15 Urner starteten jedoch sehr gut in den Tag, und neun von ihnen konnten ihren ersten Gang gewinnen. Bis zur Mittagspause musste jedoch jeder einmal Punkte liegen lassen.
Am besten standen Samuel Schuler, Roger Betschart, Roman Roner und Jann Zurfluh mit zwei Siegen und einer Niederlage da. Mit Samuel Schuler und Roger Betschart konnten im sechsten Gang sogar zwei Urner um ihren ersten Kranzgewinn kämpfen. Schuler erhielt mit Reto Fankhauser eine schwierige Aufgabe, welcher er nach kurzer Dauer unterlag.
Roger Betschart erhielt im Duell zweier Nichtkranzer gegen Elias Wicki die Chance, das Eichenlaub zu gewinnen. Dies auch deshalb, weil er bereits im zweiten Gang mit André Bucher einen Kranzschwinger bezwingen konnte und mit Roman Wandeler zudem einen Teilverbandskranzer im Notenblatt hatte. Mehrmals versuchte der junge Attinghauser mit seinem explosiven Kurz zum Resultat zu gelangen, doch Wicki konnte sich jeweils ausdrehen. In der fünften Minute konnte Betschart seinen Gegner nach einem Kurzversuch am Boden fixieren und liess diesen nicht mehr los, bis dessen Kräfte nachliessen und er die Brücke eindrücken konnte. Sehr zur Freude aller durfte der junge Zimmermann trotz seiner für einen Schwinger eher bescheidenen Körpermasse den ersten Kranzgewinn feiern und damit die Urner Fahne hochhalten.
In der Endabrechnung konnten Jonas Gisler mit 55.25 Punkten und Schlussrang 12b sowie Samuel Schuler mit 55.00 Punkten im Rang 13c und Roman Roner mit 54.75 Punkten gute Resultate erzielen.
Roger Betschart
Roger Betschart wurde am 6. Dezember 2003 geboren und ist gelernter Zimmermann. Mit einer Grösse von 170 cm und einem Gewicht von 90 kg weist er nicht die klassischen Idealmasse für einen Schwinger auf. Dennoch beweist er mit Fleiss, Einsatz und grossem Willen, dass auch mit bescheideneren Voraussetzungen Kränze gewonnen werden können. Damit ist Roger für viele junge Urner Aktive ein echtes Vorbild und ein Beweis dafür, dass harte Arbeit und Kampfgeist oft wichtiger sind als reine Körpermasse. Seine grosse Leidenschaft gilt der Natur, der Landwirtschaft und gutem Essen – besonders einem guten Stück Fleisch.
55. Felsenauschwinget
Am Samstag durften bereits die Jungschwinger in der Arena der Grossen antreten und um das begehrte Eichenlaub kämpfen. Dabei standen 170 Jungschwinger aus der gesamten Innerschweiz sowie aus Zürich im Einsatz und zeigten hochklassigen Schwingsport, welcher die Zuschauer begeisterte.
Mit dabei waren auch sechs Nachwuchsschwinger des Schwingklubs Schattdorf. In der jüngsten Kategorie konnte sich Linus Arnold mit drei Siegen, zwei Gestellten und einer Niederlage gegen den späteren Schlussgangteilnehmer die Auszeichnung erkämpfen. Mit 56.50 Punkten belegte er den Rang 8e. Samuel Gisler verpasste in seiner Kategorie die Auszeichnung um den berüchtigten Viertelpunkt und klassierte sich mit 55.25 Punkten im Rang 11b. In derselben Kategorie resultierte für Luca Arnold Rang 17a.
Bei den Ältesten konnte sich Leandro Simmen die Auszeichnung sichern. Mit drei Siegen, einem Gestellten und zwei Niederlagen belegte er mit 56.00 Punkten den starken 5. Rang. Ivo Arnold beendete das Fest im Rang 8a. Mit 55.25 Punkten fehlten ihm lediglich 0.25 Punkte zur begehrten Auszeichnung.
Die jungen Athleten zeigten den Zuschauern attraktiven Schwingsport mit vielen offensiv geführten Gängen und schönen Würfen. Auch die Urner Nachwuchsschwinger wussten dabei mit engagierten Leistungen zu überzeugen und konnten zwei Auszeichnungen erkämpfen.