Geschichte
Urner Kantonaler Schwingerverband
Turnvereine und Eisenbahnangestellte haben das Schwingen im Kanton Uri einst entscheidend gefördert. Einer der Höhepunkt in der 100-jährigen Geschichte des Schwingerverbands war sicher das Bundesfeier-Schwingfest 1991 mit über 16‘000 Besuchern.
Am 10. November 1917 fand im „Gotthard“ in Erstfeld die Gründungsversammlung des Urner Kantonalen Schwingerverbands statt. Doch der Schwingsport hat im Kanton Uri eine viel ältere Geschichte. Mit Bestimmtheit dürften Urner bereits in früheren Jahrhunderten sich im Zweikampf gemessen haben. Doch davon gibt es nur spärliche Überlieferungen.
Zeugnisse von ersten Schwingfesten im Kanton Uri stammen aus den 1870er-Jahren. Die Betreiber des Gasthauses „Zum Stäuber“ auf der Alp Äsch hinter Unterschächen organisierten mindestens zwei Mal so genannte Älplerfeste – so mit Bestimmtheit in den Jahren 1871 und 1877. Dabei massen sich die Teilnehmer in den Disziplinen Schwingen, Steinstossen, Laufen, Springen und „Hägglen“. 1882 organisierte zudem der neue Wirt des Hotels Klausen (heute Alpina) anlässlich seiner Betriebsübernahme ebenfalls ein Schwingfest in den Bielen bei Unterschächen.
Turner organisieren Innerschweizerisches
Zwischen 1882 und 1889 sowie 1896 organisierte auch der Altdorfer Quartierverein Lehnstaat anlässlich der Lehn-Kilbi so genannte Nationalspiele. Die sportlichen Wettkämpfe mit Schwingen, Steinheben, Steinstossen, Sackgumpen und Klettern, Bücheln und Käsestechen lockten jeweils bis zu 1500 Zuschauer an. An der Lehn-Kilbi nahmen die besten Turner und Schwinger aus der ganzen Innerschweiz teil. Die Urner hatten gegen die starke Konkurrenz wenig auszurichten. So gewann mit Josef Imhof lediglich bei der ersten Austragung ein Urner das Schwingfest. Und der Flüeler Landwirt Jost Muheim war der einzige Einheimische, der sich trotz starker Konkurrenz regelmässig in den vorderen Rängen klassieren konnte.
Eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Schwingens im Kanton Uri spielten die Turnvereine. So förderte der 1878 gegründete Turnverein Altdorf besonders das Nationalturnen. Der Verein organisierte in den Jahren 1902 und 1906 zudem ein interkantonales Schwingfest auf dem Urnerboden. Der geplante Urnerboden-Schwinget 1903 wurde hingegen wegen schlechtem Wetter in Altdorf abgehalten. Oberturner Josef Huber, der spätere Mitbegründer des Urner Schwingerverbands, führte dafür im Vorfeld für Interessierte einen vierwöchigen Schwingkurs in der Turnhalle durch. Huber sass überdies von 1906 bis 1911 im Vorstand des Innerschweizer Schwingerverbands.
1904 fand sogar das Zentralschweizerische Schwingfest in Altdorf statt. Und 1910 organisierte der Turnverein das Innerschweizerische Schwingfest, das aber wegen dem verheerenden Unwetter nach Luzern verlegt wurde und erst 1911 in Altdorf abgehalten wurde.
Zwei Urner Eidgenossen
Doch auch die Flüeler Turner traten ab 1882 als Nationalturner auf, einige von ihnen nahmen auch an Schwingfesten teil. Zwischen 1915 und 1920 organisierte der Turnverein jeweils sogar ein Kilbi-Schwinget beim Holzplatz. 1884 wurde in Erstfeld ebenfalls ein Turnverein gegründet, bei dem sich vor allem auch zugezogene Eisenbahnangestellte anschlossen. Bereits in den Anfangsjahren des Turnvereins kehrten regelmässig Mitglieder kranzgeschmückt von auswärtigen Turn- und Schwingfesten heim. 1897 organisierte der Turnverein in Erstfeld zudem ein Schauturnen, bei dem auch das Schwingen dem Publikum näher gebracht wurde. Erstfeld wurde durch die zugezogenen Eisenbahnangestellte, die zum Teil auch nur wenige Jahre im Urnerland lebten, schnell zu einer Schwingerhochburg. Für Furore sorgte vor allem Turner Jakob Schmid. Zwischen 1907 und 1912 sicherte er sich insgesamt fünf ISV-Kränze und vom Innerschweizerische 1909 kehrte er sogar als Sieger zurück. 1911 gewann er zusammen mit Arnold Christen, der vorübergehend in Andermatt wohnte, die ersten eidgenössischen Kränze für Uri.
Elf Teilnehmer bei Premiere
Jakob Schmid war denn schliesslich auch der Hauptinitiant für die Gründung des Urner Kantonalen Schwingerverbands (UKSV). So trafen sich am 10. November im Gasthaus St. Gotthard in Erstfeld fünfzehn Personen zur Gründungsversammlung. Als Tagungspräsident agiert der Flüeler Josef Gisler. Die Anwesenden wählten einen siebenköpfigen Vorstand, neun Kursleiter sowie ein zweiköpfiges Pressekomitee. Zudem wurde der Jahresbeitrag für Aktivschwinger bei 3 Franken und für Passivmitglieder bei 2 Franken angesetzt. In Folge wurden in mehreren Urner Gemeinden regelmässig Schwingkurse durchgeführt – so in Erstfeld, Göschenen, Bürglen, Schattdorf, Flüelen und Altdorf.
Im Juni 1918 organisierte der junge Schwingerverband zum ersten Mal ein Schwingfest. So fand im Schachen zwischen Erstfeld und Schattdorf der erste kantonale Rangschwinget statt. Obwohl bei der Premiere lediglich elf Schwinger daran teilnehmen, findet dieser Anlass bis heute jährlich statt – seit 1992 zusammen mit dem Urner Jungschwinget.
Im Jahr darauf führte der Kantonalverband dann schliesslich in Göschenen erstmals das Urner Kantonale Schwingfest durch (siehe Kapitel Urner Kantonales Schwingfest).
Schwingklubs entstehen
1920 entschied der Kantonalvorstand, dass es aus organisatorischen Gründen einfacher wäre, wenn die Trainingsgruppen in den verschiedenen Gemeinden aufgelöst und an deren Stelle eigenständige Vereine treten sollen. Deshalb kam es im Spätwinter 1920 gleich zu einer ganzen Reihe von Vereinsgründungen. So fand am 28. Februar 1920 die Gründungsversammlung des Schwingklubs Schattdorf statt, am 6. März jene des Schwingklubs Erstfeld, am 12. März jene des Schwingklubs Flüelen und am 22. März jene des Schwingklubs Altdorf. Zu den Altdorfern gesellten sich zudem auch die Mitglieder der Bürgler Trainingsgruppe. Die Göschener Schwinger hatten hingegen bereits einen eigenen Klub, da sie schon einer früheren Aufforderung des Verbands zur Gründung eines Vereins nachgekommen waren.
Interessanterweise wurde am 15. Februar 1920 der Tessiner Schwingklub Airolo als zweiter Schwingklub überhaupt in den Urner Verband aufgenommen. Dieser setzte sich mehrheitlich aus Eisenbahnangestellten aus der Deutschschweiz zusammen. Der Schwingklub Airolo existierte aber nur ganz kurze Zeit und die Tessiner fusionierten danach mit dem Schwingklub Göschenen. Doch auch der Schwingklub Göschenen-Airolo hatte nicht lange Bestand. Die am Schluss verbliebenen Athleten traten zum Schwingklub Erstfeld über.
Dafür formierte sich 1923, kurz nach der Eröffnung des Kraftwerks, auch in Amsteg ein Verein, der ebenfalls nur kurze Zeit existierte. 1924 folgte zudem die Gründung des Schwingklubs Gurtnellen, der bereits 1926 ebenfalls wieder aufgelöst wurde. Erfolgreich war hingegen die Gründung des Schwingklubs Bürglen im Jahr 1932. Und da bereits etliche Attinghauser bei anderen Schwingklubs aktiv waren, gründeten diese Athleten 1947 im Freiherrendorf einen eigenen Klub.
1959 formierte sich zudem auch eine Gruppe Schwinger in Seelisberg und am 16. Januar 1960 wurde der Schwingklub Seelisberg offiziell gegründet. Der junge Verein gehörte anfänglich als Untersektion zum Schwingklub Flüelen, bis er 1961 als eigenständiger Klub dem Urner Kantonalen Schwingerverband angegliedert wurde. Doch der Wegzug der beiden Initianten, Pfarrhelfer Binzegger und des Goldauers Josef Maria Bürgi, führte bereits 1963 wieder zur Auflösung des Vereins.
Schwinghalle wird gebaut
Die Urner Schwingfeste waren immer eng mit Folklore verbunden. 1947 wurde die Alphornbläser- und Fahnenschwinger-Vereinigung Uri gegründet. 1948 wurde die Vereinigung Kollektivmitglied des UKSV. Fortan wohnte bis 2002 auch ein Vertreter der Vereinigung den Vorstandssitzungen des Schwingerverbands bei. Die Alphornbläser und Fahnenschwinger standen denn auch Pate als der UKSV anlässlich seines 40-jährigen Bestehens am Urner Kantonalen Schwingfest in Altdorf die erste Fahne erhielt.
1967 feierte der Kantonalverband dann sein 50-Jahr-Jubiläum mit einer Feier in Altdorf und einer umfassenden Festschrift.
Ende der Sechzigerjahre liessen die Trainingsmöglichkeiten in allen Urner Klubs mehrheitlich zu wünschen übrig. Regierungsrat Raymund Gamma versuchte deshalb die Schwinger für den Bau einer kantonalen Halle zu überzeugen. Der UKSV und der Schwingklub Attinghausen erstellten schliesslich in 5000 Frondienststunden die Schwinghalle Attinghausen, die im Frühjahr 1971 eröffnet wurde.
2000 Helfer im Einsatz
Zu den Höhepunkten in der 100-jährigen Verbandsgeschichte gehört sicher das Bundesfeier-Schwingfest 1991 – das grösste in Uri je durchgeführte Schwingfest. Der UKSV organisierte dieses Schwingfest mit eidgenössischem Charakter in Flüelen anlässlich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft. Dabei konnten die 122 besten Schwinger der Schweiz teilnehmen. Ein 43-köpfiges OK unter der Leitung von Franz Steinegger, Herbert Mathys und Alois Zurfluh, 41 Vereine sowie 2000 freiwillige Helfer und Soldaten standen dabei im Einsatz. Zudem bot die Arena auf der Flüeler Allmend Platz für über 16‘000 Zuschauer.
Im Jahr darauf feierte der Urner Schwingerverband sein 75-Jahr-Jubiläum. Neben einer 185-seitigen Festschrift erhielt der Verband auch eine neue Fahne. Berta Arnold aus Bürglen, die Frau von ESV-Ehrenmitglied Josef Arnold, sowie der frühere ESV-Obmann Hans Gisler aus Schattdorf übernahmen die Patenschaft. Der Ob- und Nidwaldner Schwingerverband stand zudem als Patensektion zur Seite.
Neue Chargen werden geschaffen
Im Jubiläumsjahr führte der UKSV-Vorstand auch erstmals den Herbsthock mit sämtlichen Klubpräsidenten, technischen Leitern und Jungschwingerleitern durch, um künftig besser zusammenzuarbeiten. Dieser Herbsthock ist seither sehr wichtiger und nicht mehr wegzudenkender Termin im Verbandsjahr.
1996 übergab der Schwingerverband zudem die wichtigsten Akten dem Staatsarchiv Uri. Leider fehlen die Jahresberichte von 1924 bis 1933 sowie das erste Protokollbuch mit sämtlichen Protokollen bis 1955.
Im Verlaufe der Jahre wurde der schriftliche Aufwand für die Mitglieder der technischen Kommission immer grösser. Deshalb wurde 1996 erstmals ein UKSV-Vorstandsmitglied als TK-Sekretär bestimmt. 2002 nahm mit dem Attinghauser Raphael Arnold auch erstmals ein ausgebildeter Jugend-und-Sport-Leiter im UKSV Vorstand Einsitz und übernahm sogleich die neu geschaffenen Funktion als J+S-Coach. 2006 übernahm Arnold zudem die neu geschaffene Vorstandscharge Technisch Leiter Jungschwingen. Bis dahin wurden die entsprechenden Aufgaben vom stellvertretenden Technischen Leiter der Aktiven wahrgenommen.
Auf Initiative von Ehrenmitglied Markus Imhof aus Bürglen wird zudem seit 2005 ein Nachwuchslager im Centro Sportivo in Tenero für die Schwinger und Nationalturner durchgeführt. Anfänglich war das Interesse bei den Schwingern mässig. Doch in der Zwischenzeit ist das Lager äusserst beliebt und Jahr für Jahr nehmen über dreissig Schwinger aus allen Klubs daran teil.
Klubs unterstützen Bau
Im März 2015 konnten der UKSV und der Schwingklub Attinghausen nach lediglich einer sechs monatigen Bauzeit die neu erstellte Kantonalschwinghalle in Attinghausen eröffnen. Sämtliche Urner Schwingklubs und der Kantonalverband steuerten dazu je 10'000 Franken bei. Doch auch unzählige Gönner, Sponsoren, der Innerschweizer sowie der Eidgenössische Schwingerverband haben den Bau finanziell und materiell unterstützt. Somit haben die Urner Schwinger auch für die Zukunft eine optimale Trainingsmöglichkeit
Die obige Verbandsgeschichte geht bewusst nicht auf Erfolge der Urner Schwinger, das Jungschwingerwesen und die Veteranenvereinigung ein, da diesen Themen in der vorliegenden Festschrift eigene Kapitel gewidmet sind.