Innerschweizer Schwing- und Älplerfest

Jonas Gisler im Einsatz - neu Teilverbandskranzer

Bericht von Ivan Aschwanden

Geteilter Festsieg geht nach Luzern. Die Urner Schwinger treten mit 3 Kränzen im Gepäck die Heimreise in den Kanton Uri an.

Bei strahlendem Sommerwetter ist am Sonntagmorgen das 119. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest in Arth eröffnet worden. Am Fusse der Rigi, der «Königin der Berge», bildet die eindrückliche Contratto Arena mit Platz für 11'000 Zuschauerinnen und Zuschauer die würdige Bühne für einen der Saisonhöhepunkte im Schwingsport. Bereits seit Donnerstag herrscht auf dem Festgelände mit Gabentempel, Schwingerdörfli und Schwinger-Chilbi reges Treiben, ehe mit dem Innerschweizer Schwing- und Älplerfest der sportliche Höhepunkt erreicht wird.

Die Hoffnungen der Innerschweizer ruhen vor allem auf dem Urner Lukas Bissig, dem Schwyzer Michael Gwerder und dem Zuger Marcel Bieri. Das Trio konnte in dieser Saison bereits je ein Kantonalschwingfest für sich entscheiden und zählt damit zum engsten Favoritenkreis im 200 Schwinger umfassenden Teilnehmerfeld. Mit Spannung erwartet wird zudem die Rückkehr von Ambühl Joel, dem Sieger des Innerschweizer Schwing- und Älplerfestes 2023, welcher vor Wochenfrist das Abendschwinget Baar für sich entscheiden konnte. Als Titelverteidiger reist hingegen Joel Wicki nicht mehr an: Der letztjährige Festsieger, der sich im Schlussgang gegen den ebenfalls inzwischen zurückgetretenen Pirmin Reichmuth durchgesetzt hatte, hat seine Karriere inzwischen beendet.

Die Innerschweizer starten gut ins Fest

Sportlich verspricht das Anschwingen Hochspannung. Gleich zum Auftakt kommt es im Duell zweier Eidgenossen zur Spitzenpaarung zwischen dem Ostschweizer Gast Schneider Domenic und dem Urner Bissig Lukas. Dieser Gang endet für die beiden Favoriten gestellt mit der Note 8.75.  Insgesamt stehen zehn Eidgenossen auf der Schwingerliste, darunter auch der Berner Gastschwinger Tschumi Lukas, der im ersten Gang dem Luzerner Lustenberger Marc durch Wyberhaken unterliegt.

Weitere attraktive Paarungen im 1. Gang lauteten Ambühl gegen Burch und Gwerder gegen Bieri, sie stellen jeweils mit der Note 8.75. Heinzer Lukas bodigt Kramer mit innerem Haken, Silvan Appert gewinnt gegen Lang Sven und der Berner Aellen verliert gegen Schwyzer.

Auch für Arnold Robin beginnt das Fest sehr gut, gegen Bissig Glen gewinnt er mit der Maximalnote 10 und steht nach dem 1. Gang gar an der Ranglistenspitze. Briker Raphael besiegt Schuler Alex mit Note 9.75. Betschart Roger, Herger Flavio, Epp Elias, Gisler Jonas, Zurfluh Jann, Zurfluh Jonas und Zurfluh Michael starten das Fest mit einem gestellten Gang. Der junge Seelisberger Imhof Dario kann im dritten Gang Durrer Fabian, den Sieger vom Ob- und Nidwaldner Kantonalfest 2022, mit einem schönen Zug Platt ins Sägemehl betten und sich so die verdiente Note 10 abholen. Leider musste er das Fest im 4. Gang verletzungsbedingt abbrechen.

Spannende Ausgangslage für Nachmittag

Der Vormittag bot den Festbesuchern besten Schwingsport. Zur Mittagspause präsentiert sich das Klassement noch eng beisammen und bietet die besten Voraussetzungen für eine spannende zweite Festhälfte. Die beiden Luzerner Lustenberger Marc und Schwyzer Samuel schwingen sich mit je drei Siegen an die Ranglistenspitze. Etwas überraschend klassiert sich auch der Nichtkranzer Markus Kiser mit drei Siegen auf Rang zwei. Ebenfalls einen starken Vormittag zeigte Bissig Lukas, der nach dem Gestellten im Anschwingen zwei souveräne Siege folgen liess. Die Einheimischen Bruhin Fredi, Appert Silvan und Gwerder Michael konnten sich ebenfalls in der Spitzengruppe behaupten. Für die Gastschwinger verlief der Vormittag hingegen harzig: Einzig Kramer Dorian und Tschumi Lukas vermochten den Anschluss an die Spitze zu halten.

Mit der mutigen Einteilung für den vierten Gang bescherten die Verantwortlichen dem Publikum weitere hochklassige Duelle. So landet Lustenberger Marc einen wichtigen Sieg mit Plattwurf gegen Gwerder Michael und wird damit zu einem ernstzunehmenden Schlussgang-Kandidaten. Bieri kann Troxler bodigen und in einem spannenden Kampf besiegt Schwyzer den Eidgenossen Appert, nur wenige Sekunden vor Ablauf der Zeit. Auch er unterstreicht damit seine Ambitionen um eine mögliche Schlussgangteilnahme. Bissig Lukas setzt sich in einem weiteren Eidgenossen-Duell gegen den Gast Tschumi Lukas durch.

Im fünften Gang kann Schwyzer Samuel seine Siegesserie gegen Bieri Marcel fortsetzen. In einem intensiven Gang besiegt er den Zuger Eidgenossen mit Schlungg und sichert sich damit die Maximalnote. Damit steht er definitiv als erster Schlussgangteilnehmer fest. Bissig Lukas setzt sich nach wiederum kurzer Gangdauer gegen Fankhauser Marco durch. In einem hochspannenden Gang zeigen der Entlebucher Lustenberger Marc und der Kernser Zemp Christian beste Werbung für den Schwingsport. Kurz bevor der Platzkampfrichter die letzte Minute ansagen kann, besiegt Lustenberger den Obwaldner Zemp und sichert sich damit ebenfalls die Schlussgangteilnahme und die Chance auf Siegermuni Kenn (Brown Swiss). Die Urner Zurfluh Michael mit Maximalnote gegen Kramer Dorian, Gisler Jonas mit Sieg gegen Doppmann Ueli und Herger Flavio gegen Wiget Ueli halten sich mit ihren Siegen im Rennen um den begehrten Teilverbandskranz.

Tschumi Lukas aus dem Berner Verband holt sich, wenige Sekunden vor Ablauf der Gangdauer, seinen ersten Teilverbandskranz mit einem Plattwurf gegen den Bruder des Schlussgangteilnehmers, Lustenberger Tim. Herger Flavio, Schattdorf, muss sich im Kampf um den Kranz dem Ostschweizer Eidgenossen Schneider Domenic geschlagen geben. Für Schneider bedeutet dies den 99. Kranz in seiner Schwingkarriere. Mit einem Plattwurf gegen den ebenfalls bereits kranzsicheren Amrhyn Jonas gewinnt Bissig Lukas seinen sechsten Gang und belohnt sich für seine souveräne Leistung. Gwerder Michael sichert sich den Kranz indem er Achermann besiegt. Bieri Marcel bodigt Suter Bruno im ersten Zug und holt sich seinen Kranz. Zurfluh Michael sucht die Note 10.00, muss sich aber mit einem gestellten Gang gegen Scherz Valentin aus dem Nordwestschweizer Verband zufrieden geben, sichert sich aber damit aber trotzdem einen weiteren Teilverbandskranz für seine Sammlung. Jonas Gisler vom SK Bürglen gewinnt gegen den Schwyzer Benno Heinzer und damit seinen langersehnten ersten Teilverbandskranz mit einer Gesamtpunktzahl von 56.50.

Der Teilverbandskranzer, Kennel Stefan vom durchführenden Rigiverband, bestreitet seinen letzten Gang der Karriere. Dieser endet gestellt gegen Bucher Manuel. Er hängt unter grossem Applaus seine Zwilchhosen an den berühmten Nagel und wird vom Publikum würdig verabschiedet. Kennel nahm an 3 Eidgenössischen Anlässen Teil und konnte in seiner Karriere insgesamt 13 Kränze erschwingen.

Im Schlussgang, dem Höhepunkt dieses würdigen Innerschweizer Verbandsfestes, stehen sich die beiden Luzerner Verbandskollegen Lustenberger Marc, Hasle und Schwyzer Samuel, Grosswangen gegenüber. Mit je 5 Siegen, gleicher Gesamtnote von 49.50 Punkten und 1.50 Punkten Vorsprung auf den nächsten Verfolger Bissig Lukas, reicht den beiden Schwingern ein gestellter Gang für den geteilten Festsieg.

Die beiden Verbandskollegen starten verhalten, keiner der beiden geht das letzte Risiko ein und nach 14 Minuten endet der Schlussgang denn auch gestellt. Somit konnten sie sich im Doppel Schultern und vom Publikum als Festsieger des ISAF 2026 feiern lassen. Trotz des für die Zuschauer eher uninteressanten Schlussgangs sind die beiden Kollegen, mit ihren über den ganzen Tag gezeigten Leistungen, verdiente Festsieger!

Portrait Gisler Jonas:

Gisler Jonas krönt seinen Weg mit dem ersten Teilverbandskranz

Portrait: Ivan Aschwanden

Foto: Rene Roner

Mit dem Gewinn des Teilverbandskranzes am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest in Arth hat Jonas Gisler den bisher grössten Erfolg seiner Laufbahn gefeiert.

Der 25-jährige Schwinger des Schwingklubs Bürglen durfte sich erstmals einen Kranz an einem Teilverbandsfest aufsetzen lassen und belohnte damit seine kontinuierliche Entwicklung der vergangenen Jahre.

Aufgewachsen in Spiringen und heute in Seedorf wohnhaft, fand Gisler früh zum Schwingsport. Seit 2009 steht der Turnerschwinger im Sägemehl. Seine bevorzugten Schwünge sind der Stich, der Lätz sowie der Innere Haken. Den Grundstein für seine Aktivkarriere legte er mit der Auszeichnung am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2018 in Landquart.

Den ersten Kranz bei den Aktiven gewann Gisler 2019 ausgerechnet am Heimfest in Bürglen. Es folgten vier weitere Kantonalkränze – je zwei am Urner und am Zuger Kantonalschwingfest. Mit Schlussgangteilnahmen am Urner Rangschwinget 2024 in Altdorf und 2026 in Schattdorf machte der Urner zudem immer wieder auf sein Potenzial aufmerksam. Mit dem Teilverbandskranz in Arth gelang ihm nun der nächste bedeutende Karriereschritt.

Abseits des Sägemehls arbeitet der 180 Zentimeter grosse und etwa 90 Kilogramm schwere Athlet als Landmaschinenmechaniker. Neben dem Schwingen gehören Nationalturnen, Skifahren und die Schafzucht zu seinen Hobbys. Kulinarisch bevorzugt er ein Steak mit Pommes frites, musikalisch hört er gerne Ländlermusik und Rock. Und wenn es etwas zu trinken gibt, greift der Seedorfer – ganz wie es sich für einen Sportler gehört – am liebsten zu einem kühlen Rivella.

Weiter
Weiter

Innerschweizer Nachwuchsschwingerta