Kommentar: VAR im Schwingsport
Eine riesige Arena: In Mollis laufen die Vorbereitungen fürs Eidgenössische.
Bericht von einem Schwingbanausen und KI
Der Schwingsport steht vor einer entscheidenden Weichenstellung: Soll der Einsatz von technischen Hilfsmitteln wie dem Video Assistant Referee (VAR) Einzug halten? In Fussballstadien längst Alltag, wird nun auch in der Schwingarena über Kameras, Bildschirme und digitale Kontrolle diskutiert. Doch passt dies wirklich zum Nationalsport, der seine Wurzeln tief in der Tradition hat?
Der Reiz des Unmittelbaren
Das Schwingen lebt vom Moment. Es ist der Geruch des Sägemehls, die Hand am Schwinghosenriemen, der schnelle Entscheid des Kampfrichters – und manchmal auch die hitzige Diskussion danach. Genau diese Authentizität macht den Sport einzigartig. Ein VAR-System würde diesen Charakter verändern: Wo heute der Kampfrichter entscheidet, übernimmt morgen die Technik.
Abkehr vom Profisport
Im Gegensatz zu kommerzialisierten Profisportarten zeichnet sich das Schwingen durch Bodenständigkeit aus. Hier treten keine Millionäre gegeneinander an, sondern Bauern, Handwerker und Studenten. Die Einführung teurer technischer Systeme wäre ein Schritt hin zu einer Professionalisierung, die viele Fans gar nicht wollen. Statt gelebter Tradition droht eine technisierte Arena, in der Kameras und Bildschirme mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Kämpfer selbst.
Kosten und Nebenwirkungen
Die finanziellen Aufwendungen für VAR-Anlagen sind erheblich – gerade für kleinere Schwingfeste ein kaum tragbarer Posten. Hinzu kommt: Wenn jedes Detail auf Video überprüft wird, verschiebt sich der Fokus. Plötzlich wird nicht mehr nur das Resultat gewertet, sondern auch kleinste Nebensächlichkeiten, die zu endlosen Diskussionen führen könnten. Anstatt für Klarheit zu sorgen, schafft man neue Streitpunkte.
Ein Mittelweg?
Falls technische Unterstützung überhaupt in Betracht gezogen wird, sollte sie den Sport nicht dominieren. Denkbar wären einfache Sensor-Shirts, die bei genügend Kontakt mit dem Sägemehl ein Signal geben. So könnte ein klarer Sturz objektiv erfasst werden – ohne dass Kameras und Monitore den Wettkampf überlagern.
Fazit
Der Schwingsport braucht keine Kopie des Fussballs. Er lebt von seiner Ursprünglichkeit und der Nähe zu den Zuschauern. Ein VAR mag modern wirken, doch er gefährdet die Seele des Schwingens. Statt Hightech sollte weiterhin das Vertrauen in die Kampfrichter, die Fairness der Athleten und die Tradition im Mittelpunkt stehen.