Stoos-Schwinget
Michael Zurfluh gegen Kilian Kolb
Bericht von Michi Arnold
Bergkranzfest-Saison auf dem Stoos erfolgreich lanciert
Mit dem traditionsreichen Stoos-Schwinget wurde am vergangenen Sonntag die Bergkranzfest-Saison offiziell eröffnet. Bei traumhaften Wetterbedingungen, einer eindrücklichen Bergkulisse und mit 3600 Zuschauern vor ausverkauften Rängen bot das erste grosse Kräftemessen der Teilverbände beste Werbung für den Schwingsport. Traditionell treffen auf dem Stoos Schwinger aus verschiedenen Teilverbänden erstmals in der Bergfestsaison aufeinander. Mit den Gästen aus der Nordost- und Nordwestschweiz waren auch in diesem Jahr zwei starke Verbände vertreten. Nachdem die Berner im Vorjahr das Geschehen klar dominiert hatten, präsentierte sich die Ausgangslage am Fusse des Fronalpstocks diesmal deutlich ausgeglichener.
Schlegel sichert sich den Festsieg
Nachdem Werner Schlegel bereits 2024 den Schlussgang erreicht hatte, gelang ihm in diesem Jahr der grosse Wurf. Der Ostschweizer gewann den Bergklassiker und sicherte sich damit seinen ersten Stoos-Sieg. Im Schlussgang traf er etwas überraschend auf den Luzerner Kranzschwinger Elias Lüscher. Aufgrund der zahlreichen gestellten Gänge und der wenigen Maximalnoten genügte Lüscher ein Plattwurf gegen Joel Suter zur erstmaligen Schlussgangqualifikation, und dies gleich beim prestigeträchtigen Stoos-Schwinget.
Im Schlussgang liess Schlegel jedoch keine Zweifel aufkommen. Bereits nach weniger als einer Minute bezwang er den 20-jährigen Luzerner mit Kurz und Nachdrücken am Boden zum gültigen Resultat.
Der Schlussgangteilnehmer des ESAF 2025 war verhalten in den Wettkampf gestartet und musste zum Auftakt gegen den Nordwestschweizer Mitfavoriten Nick Alpiger einen Gestellten hinnehmen. Danach war Schlegel jedoch nicht mehr zu stoppen. Mit Siegen gegen Urs Doppmann, Carlo von Rickenbach, Michael Gwerder, Fredi Bruhin und schliesslich Elias Lüscher marschierte er souverän zum Tagessieg.
Damian Ott und Christian Bucher überzeugen
Hinter Schlegel klassierte sich dessen Klubkollege und Freund Damian Ott auf dem zweiten Rang. Ott musste sich im Anschwingen gegen Sinisha Lüscher sowie im vierten Gang gegen Lukas Heinzer mit einem Gestellten begnügen, blieb ansonsten aber ungeschlagen.
Ebenfalls auf Rang zwei landeten Joel Strebel und der Zuger Christian Bucher. Für den 28-jährigen Bucher bedeutete dies den ersten Bergkranz seiner Karriere, ein Erfolg, den er sich mit einer starken Tagesleistung redlich verdiente. Am Vormittag gewann er sämtliche Gänge, stellte am Nachmittag Sinisha Lüscher und musste sich einzig Damian Ott im fünften Gang geschlagen geben.
Insgesamt durften die Innerschweizer sieben Kränze mit nach Hause nehmen. Neben den etablierten Grössen Marcel Bieri und Michael Gwerder konnten sich auch Joel Suter, Luc Bissig und Elias Lüscher ihren zweiten Bergkranz sichern. Auch der Obwaldner Eidgenosse Jonas Burch durfte sich erstmals den begehrten Stoos-Kranz aufsetzen lassen.
Starke Auftritte der Heinzer-Brüder bleiben unbelohnt
Aus Innerschweizer Sicht sorgten insbesondere die Brüder Lukas und Benno Heinzer für positive Schlagzeilen. Beide mischten den ganzen Tag in der erweiterten Spitzengruppe mit und konnten mehreren namhaften Gegnern Paroli bieten.
Lukas Heinzer hatte mit Joel Strebel, Damian Ott und Nick Alpiger gleich drei Eidgenossen auf seinem Notenblatt. Gegen Strebel und Ott erkämpfte er sich jeweils einen Gestellten und bewies damit eindrücklich sein Potenzial auf höchstem Niveau.
Auch Benno Heinzer zeigte eine starke Leistung und konnte mit Lars Voggensberger und Tim Roth ebenfalls zwei Eidgenossen stellen. Umso bitterer war für beide Brüder der Ausgang des Wettkampfs. Im entscheidenden Kampf um den Kranz mussten sie sich gegen durchaus lösbare Gegner geschlagen geben und traten deshalb trotz überzeugender Leistungen ohne Auszeichnung die Heimreise an.
Urner mit solidem Auftritt
Für die Urner standen Michael Zurfluh, Elias Epp und Marco Herger im Einsatz. Die grössten Hoffnungen auf einen Kranzgewinn ruhten auf den Schultern von Michael Zurfluh. Der Attinghauser Teilverbandskranzer zeigte einen engagierten Wettkampf, verpasste die Auszeichnung mit 54,50 Punkten und Rang 13b jedoch relativ deutlich.
Zurfluh feierte Siege gegen Mathias Hürlimann und Adrian Thalmann. Hinzu kamen drei gestellte Gänge gegen die unangenehmen Gegner Andrin Habegger, Kilian Kolb und Pascal Johol. Im Schlussgang des Tages musste er sich schliesslich dem Schwyzer Eidgenossen Silvan Appert geschlagen geben.
Elias Epp erwischte einen ausgezeichneten Start ins Fest. Mit einem sehenswerten Kopfzug gelang ihm ein Plattwurf und damit ein Auftaktsieg nach Mass. Anschliessend konnte er jedoch nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Vier Niederlagen und ein Gestellter führten in der Endabrechnung zu 52,75 Punkten und Rang 14g.
Für Marco Herger war das Stoos-Schwinget eine besondere Erfahrung, durfte er doch erstmals an einem Bergfest teilnehmen. Die Nervosität war dem jungen Urner zu Beginn noch anzumerken. Er verlor die ersten drei Gänge und stand bereits früh unter Druck. Im vierten Gang musste ein Sieg her, um den Ausstich zu erreichen. Mit einem überzeugenden Plattwurf gegen Patrick Bürgler meisterte er diese Aufgabe und qualifizierte sich für die beiden Schlussgänge. Nach einer weiteren Niederlage im fünften Gang gelang ihm zum Abschluss noch ein Sieg mit der Maximalnote. Mit 54,25 Punkten belegte Herger schliesslich den Rang 19a.
Insgesamt wurden auf dem Stoos 13 Kränze vergeben. Mit sieben Auszeichnungen ging mehr als die Hälfte davon an die Innerschweizer. Die Nordostschweizer durften zwar lediglich zwei Kränze mit nach Hause nehmen, belegten jedoch die beiden ersten Plätze in der Schlussrangliste. Das starke Team der Nordwestschweiz sicherte sich insgesamt vier Kränze.
Einmal mehr erwies sich das Stoos-Schwinget als voller Erfolg. OK-Präsident Daniel von Euw und sein Team sorgten mit einer ausgezeichneten Organisation für einen reibungslosen Ablauf und einen würdigen Rahmen für den traditionsreichen Bergklassiker.