Urner Kantonales Schwingfest
Bericht von Elias Bricker
Lukas Bissig gelingt Hattrick
Der Urner «Eidgenosse» gewinnt das Urner Kantonale Schwingfest bereits zum dritten Mal. Im Schlussgang bodigt er seinen Klubkollegen Michael Zurfluh.
Die Erwartungen an Lukas Bissig waren gigantisch. Nachdem der 23-Jährige bereits 2024 und 2025 das Heimfest gewonnen hatte, wäre alles andere als ein überragender Sieg des «Eidgenossen» am Urner Kantonalen Schwingfest am Samstag in Flüelen für viele Urner Fans einer Niederlage gleichgekommen. Doch so weit kam es nicht: Um Punkt 17.21 Uhr setzte der Attinghauser zum Siegeswurf an und leerte seinen Schlussganggegner Michael Zurfluh mit einem Kreuzgriff über das Knie ins Sägemehl – nach weniger als zwei Minuten Gangdauer. Ausgelassene Jubelschreie schallten durch die Arena. Die Urner Partynacht im Hafenstädtchen Flüelen war lanciert.
Bissig startete harzig in den Tag
Lukas Bissigs Erfolg in Flüelen kam nicht überraschend: Er hatte sich in den letzten Monaten klar zu einem der Leader im Innerschweizer Team hochgearbeitet. Nachdem er im vergangenen Jahr bravourös in Mollis den eidgenössischen Kranz gewann, zeigte er heuer bereits früh in der Saison, dass er parat ist. Nach den Siegen am Urner Rangschwinget, am Hallenschwinget in Engelberg und dem Frühjahrsschwinget in Ibach wurden die Erwartungen an ihn nicht kleiner, noch weniger nach seinem Sieg am Schwyzer Kantonalen Schwingfest Mitte Mai.
Es gibt zwar einige Schwinger, welche das Urner Kantonale Schwingfest drei Mal gewinnen konnten, doch drei Siege in Folge: Das gab es in der 107-jährigen Geschichte des Urner Kantonalen Schwingfests noch nie. Was Bissigs Erfolg noch spezieller machte: Sein Vater Stefan Bissig gewann das Urner Kantonale Schwingfest vor 22 Jahren ebenfalls in Flüelen – damals bei ganz anderen Wetterbedingungen; bei Dauerregen, winterlichen Temperaturen und vor halbleeren Zuschauerrängen. Und wie beurteilt Lukas Bissig selbst seinen Hattrick am Urner «Kantonalen»? «Das sind Zahlen», sagte der junge Attinghauser im Platzinterview unmittelbar nach dem Schlussgang bescheiden. «Ich will an den Schwingfesten einfach immer mein Bestes geben».
Dabei war Lukas Bissig am Samstagmorgen in der Urnersee-Arena in Flüelen harzig in den Tag gestartet. Der Luzerner Teilverbandskranzer Roman Wandeler wehrte im Anschwingen jegliche Angriffsversuche des starken Urners ab. Nach fünf Minuten resultierte ein Gestellter. Doch Lukas Bissig liess sich nicht aus dem Konzept bringen. Im zweiten Gang bettete er Laurin Imfeld platt ins Sägemehl, danach Christian Bucher. Am Nachmittag siegte er gegen den «Eidgenossen» Jonas Burch, so dass der nun 33-fache Kranzgewinner und vierfache Kranzfestsieger bereits nach dem vierten Gang wieder an der Spitze der Rangliste anzutreffen war. Im fünften gang bodigte er schliesslich Joel Kessler mit Note 10 ins Sägemehl und sicherte sich die Schlussgangqualifikation.
Mitleid oder Freude?
Noch spezieller macht Bissigs Erfolg: Im Schlussgang bodigte er seinen Klubkollegen vom Schwingklub Attinghausen: Michal Zurfluh. Dass sich zwei Einheimische am Urner Kantonalen Schwingfest im Schlussgang gegenüberstanden, gab es zuvor letztmals im Jahr 1988. Damals stellten aber Ruedy Zwyssig (Schattdorf) und Walter Wyrsch (Bürglen), so dass der heutige «Fleschkiosk»-Betreiber Bärti Gisler (Bürglen) als lachender Dritter das Fest gewann.
Michael Zurfluh hatten im Vorfeld nur eingefleischte Szenenkenner auf der Rechnung. Doch der 27-jährige Landwirt und Besamungstechniker aus Attinghausen stieg in den letzten Jahren im Schatten von Lukas Bissig und Matthias Herger zu einer starken Stütze im kleinen Urner Team auf. Inzwischen gewann der «nur» 180 Zentimeter grosse Schwinger bereits 21 Kränze und deutete heuer auch mit dem Sieg am Hallenschwinget in Sarnen schon früh seine gute Form an. Auch am Samstag in Flüelen zeigt er einen starken Wettkampf. Im Anschwingen siegte er gegen Bruno Schürpf und stellte gegen Kilian Bühler. Im Ausschwingen bodigte er Lukas Fischlin und platt die Innerschweizer Nachwuchshoffnung Patrik Laimbacher, ehe er im Ausstich gegen Jonas Troxler gewann und sich verdient die die Schlussgangqualifikation sicherte.
Viele der 2800 anwesenden Schwingerfans hätten auch Michael Zurfluh den Sieg gegönnt. Sein Schlussganggegner Lukas Bissig war ebenfalls voll des Lobes für Michael Zurfluh. «Ich weiss aktuell noch nicht, ob ich mich wirklich freuen soll oder ob ich Mitleid mit Michi haben soll», sagte Bissig kurz nach dem Schlussgang. Gerne hätte er den Sieg auch Zurfluh gegönnt, denn die beiden trainieren nicht nur seit Jungschwingertagen intensiv zusammen, sondern reisen auch noch heute praktisch an alle Schwingfeste gemeinsam. Michael Zurfluh qualifizierte sich am Schluss im Rang 5a.
Urner Kränze
In Flüelen wurden insgesamt 35 Kränze abgegeben. 13 Kränze gingen in den Kanton Luzern, 5 nach Unterwalden, 9 nach Schwyz, 2 nach Zug und 6 blieben im Urnerland. Neben Bissig und Zurfluh holten auch folgende Urner Schwinger den Kranz: Lukas Gisler (Spiringen / SK Bürglen), Raphael Briker (Seedorf / SK Attinghausen), Jonas Gisler (Seedorf / SK Bürglen) und Gabriel Wyrsch (Attinghausen / SK Attinghausen). Für den 21-jährigen Lukas Gisler war es der erste Kranzgewinn.
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