Vorschau: Brünig-Schwinget - Bergklassiker in einzigartiger Naturarena
Michael Zurfluh ist bereit für seinen ersten Bergkranz
Am kommenden Sonntag richtet sich der Blick der Schwingerszene erneut auf den Brünigpass. Mit dem Brünig-Schwinget steht der nächste traditionsreiche und prestigeträchtige Bergklassiker auf dem Programm.
Kaum ein Schwingfest bietet den Zuschauerinnen und Zuschauern ein derart intensives Erlebnis wie das Brünig-Schwinget. In der einmaligen Naturarena auf der Brünigpasshöhe, welche die beiden Teilverbände Bern und Innerschweiz verbindet, werden über 6'000 Zuschauer das Kräftemessen zwischen den Bernern, den Innerschweizern sowie den Gästen aus dem Nordostschweizer Schwingerverband hautnah verfolgen. Für den einen oder anderen Schwinger mögen die engen Platzverhältnisse nicht mehr ganz zeitgemäss sein – genau dieser Charme und die unmittelbare Nähe zum Publikum machen den Brünig jedoch zu einem der beliebtesten und stimmungsvollsten Bergfeste der Schweiz.
Erneut stehen über 20 Eidgenossen im rund 120-köpfigen Teilnehmerfeld. Wieder wird es darum gehen, die Berner Dominanz zu brechen. Mit Fabian Staudenmann und Matthias Aeschbacher führen zwei der stärksten Schwinger der Gegenwart das Berner Team an. Kann Staudenmann seine überragende Form mit den Siegen am Bernisch-Kantonalen und auf der Rigi bestätigen und sich erstmals zum Brünigsieger krönen? Oder schnappt ihm Matthias Aeschbacher den begehrten Sieg vor der Nase weg? Unterstützung erhalten die beiden von zahlreichen starken Mittelschwingern sowie vom zweifachen Brünigsieger Bernhard Kämpf.
Doch auch die Nordostschweizer reisen mit grossen Ambitionen auf den Brünig. Werner Schlegel und Armon Orlik zählen zweifellos zum engsten Favoritenkreis. Besonders auf den 23-jährigen Werner Schlegel darf man gespannt sein. Mit seinem starken Auftritt am Bernisch-Kantonalen vor drei Wochen hat er eindrücklich bewiesen, dass er in bestechender Form ist. Zudem gehört er zu den wenigen Aktiven, die bereits Schlussgangerfahrung auf dem Brünig sammeln konnten. Als die Nordostschweizer letztmals 2024 zu Gast waren, kam es gar zu einem rein nordostschweizerischen Schlussgang, den Samuel Giger für sich entschied.
Für die Innerschweizer dürfte es erneut eine anspruchsvolle Aufgabe werden, mit den starken Bernern und Nordostschweizern mitzuhalten. Um den Festsieg mitzureden, wird eine aussergewöhnliche Tagesform erforderlich sein. Am ehesten sind Lukas Bissig, Marcel Bieri oder Marc Lustenberger ein solcher Exploit zuzutrauen. Mit Joel Ambühl und Samuel Schwyzer verfügen die Innerschweizer zudem über weitere Schwinger, die jederzeit für Spitzenresultate gut sind.
Vier Urner auf dem Brünig
Für den Urner Schwingerverband steigt ein Quartett in den Sägemehlring. Die grössten Hoffnungen ruhen einmal mehr auf Lukas Bissig. Nach seinem hervorragenden zweiten Rang auf der Rigi möchte er auch auf dem Brünig um die Spitzenplätze mitkämpfen. Seine bisherige Saison verläuft nahezu perfekt: Zwei Kantonalfestsiege und insgesamt sechs Kränze sprechen eine deutliche Sprache.
Reif scheint auch die Zeit für den ersten Bergkranz von Michael Zurfluh. Der Attinghauser hat am vergangenen Wochenende eindrücklich gezeigt, dass ihm dieser Meilenstein jederzeit gelingen kann. Lediglich ein Viertelpunkt fehlte ihm zuletzt zum Kranzgewinn. Bereits vor vier Jahren kämpfte er auf dem Brünig gegen Thomas Sempach um den Kranz und brachte den ehemaligen Brünigsieger an den Rand einer Niederlage. Am kommenden Sonntag wird er erneut alles daran setzen, sich endlich mit dem verdienten Bergkranz zu belohnen.
Ebenfalls am Start steht Jonas Gisler. Nach seinem Kranzgewinn am Innerschweizerischen gilt es, diese Leistung zu bestätigen. Auf dem Brünig konnte er bereits wertvolle Erfahrungen sammeln und überzeugte dabei mit ansprechenden Leistungen. Dem technisch versierten Urner ist durchaus die eine oder andere Überraschung zuzutrauen.
Komplettiert wird das Urner Quartett von Raphael Briker aus Seedorf. Der Turnerschwinger gilt als äusserst unbequemer Gegner, der mit seinem variantenreichen Schwingstil auch den Spitzenschwingern alles abverlangen kann. Gelingt es ihm, an seine Leistungen vom Schwarzsee und vom Innerschweizerischen anzuknüpfen, dürfte er für das Team Innerschweiz ein wichtiger Punktelieferant werden.
Staudenmann, Schlegel oder doch Bissig?
Wer die Nachfolge von Schwingerkönig Joel Wicki als Brünigsieger antreten wird, entscheidet sich am Sonntag gegen 17.00 Uhr. Eines scheint bereits jetzt wahrscheinlich: Die traditionsreiche Siegerliste dürfte um einen neuen Namen erweitert werden.