Schlussbericht: Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest 2025
Die Urner Schwinger in der ISV-Delegation beim Einzug in die Arena in Mollis. Bild: David Zurfluh
Bericht von Michi Arnold
Am vergangenen Wochenende fand das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Mollis statt. Für eine grossartige Stimmung und Atmosphäre sorgten die 56'500 Zuschauer in der ausverkauften Glarnerland Arena. Bereits am frühen Samstagmorgen war jeder Sitzplatz besetzt für den imposanten Einmarsch der Gladiatoren, einem Hühnerhaut-Moment sondergleichen. Bevor es dann mit den ersten Wettkämpfen los ging, erhoben sich alle Zuschauer für die Schweizer Nationalhymne von ihren Sitzen.
Der 1. Wettkampftag
Die Hauptakteure des ersten Tages hiessen Werner Schlegel und sehr zur Überraschung aller Fritz Ramseier. Der Toggenburger Eidgenosse grüsste nach Tag eins von der Ranglistenspitze. Mit 39.75 Punkten konnte er am Samstag alle Gänge siegreich gestalten. Der Reihe nach bodigte er Pirmin Reichmuth, Lukas Bissig, Matthias Herger und Fabian Staudenmann. Der Berner Teilverbandskranzer Fritz Ramseier absolvierte den ersten Tag ebenfalls mit vier Siegeskreuzen auf dem Notenblatt. Mit seinen bescheidenen Körpermassen von 1.75m und 100kg, bezwang er nach Johann Bocard drei Eidgenossen, und zwar keine geringeren als Sven Schurtenberger, Damian Ott und Joel Strebel. In Lauerposition waren mit Armon Orlik, Joel Wicki und Matthias Aeschbacher drei Favoriten mit drei Siegen am Samstag. Etwas überraschend konnten die beiden Topfavoriten Samuel Giger und Fabian Staudenmann lediglich zwei Gänge für sich entscheiden. Bestklassierter Innerschweizer am Samstag war der Urner Lukas Bissig mit drei Siegen und 38.50 Punkten.
Der 2. Wettkampftag
Weil am Sonntagmorgen die beiden Führenden ihre Gänge verloren, kam es an der Ranglistenspitze zum grossen Zusammenschluss und auch die beiden Topfavoriten Giger und Staudenmann durften sich wieder berechtigte Hoffnungen auf den Königstitel machen, da sie ihre fünften Gänge gewinnen konnten. Leider musste der Innerschweizer Hoffnungsträger Joel Wicki seinen fünften Gang gegen den Südwestschweizer Eidgenossen Romain Collaud stellen, was ihn etwas zurückgebunden hat. So lagen zur Mittagspause die beiden Ostschweizer Armon Orlik und Werner Schlegel mit 0.75 Punkten in Führung, gefolgt von einem weiteren Ostschweizer Domenic Schneider und dem Berner Wunderknaben Michael Moser. Im Kampf um den Schlussgang bekam es Armon Orlik mit Michael Moser zu tun, Werner Schlegel mit dem König Joel Wicki und Domenic Schneider mit Fabian Staudenmann. Da die Führenden ihre Gänge stellten und Domenic Schneider eine Niederlage verzeichnen konnte, rutschte plötzlich wieder Samuel Giger mit einem Sieg gegen Romain Collaud an die Spitze. Zusammen mit Armon Orlik und Werner Schlegel lagen drei Ostschweizer nach sieben Gängen mit 67.00 Punkten in Führung. Einerseits widerspiegelte dies den starken Auftritt des Nordostschweizer Teams, andererseits hiess das mit ziemlicher Sicherheit, dass einer der drei den Königstitel holen wird. Die Frage stellte sich nur noch, für wen sich das Kampfgericht im Schlussgang entscheiden wird. Die Wahl des Kampfgerichts fiel auf Werner Schlegel gegen Samuel Giger, einen Schlussgang, den es bereits vor zwei Wochen auf der Schwägalp gab und dort gestellt endete. Armon Orlik gab man dafür die schwierige Aufgabe gegen Pirmin Reichmuth. Der Bündner, welcher bereits im Jahr 2016 in einem eidgenössischen Schlussgang gestanden war, konnte sich dank sehr guter Bodenarbeit und dem Mut, Reichmuth nochmals vom Boden zu heben, die Maximalnote schreiben lassen, was ihm zumindest den Titel als «Erstgekrönter» eingebracht hatte. Da der 16-minütige Schlussgang zwischen Werner Schlegel und Samuel Giger dann gestellt endete, wurde Armon Orlik zum neuen Schwingerkönig ausgerufen. Sein Weg zum Königstitel waren Siege gegen Matthias Aeschbacher, Roman Wandeler und Lars Voggensberger, sowie einem Gestellten gegen Joel Wicki am Samstag. Am Sonntag bezwang er Steven Moser und Herger Matthias, stellte gegen Michael Moser, und bezwang zum Abschluss Pirmin Reichmuth, was ihn mit 77.00 Punkten zum König machte.
Hinter Orlik klassierten sich mit Fabian Staudenmann, Michael Moser, Matthias Aeschbacher und Michael Ledermann gleich vier Berner, und das Thurgauer Schwergewicht Domenic Schneider. Danach folgten die beiden Schlussgangteilnehmer Werner Schlegel und Samuel Giger, wie auch Nick Alpiger, Adrian Walther und der Urner Lukas Bissig.
Armon Orlik
Für den 30-jährigen Bauingenieur ist der Königstitel die Krönung einer hervorragenden Karriere. Bereits 2016 war er nahe am Sieg, verlor den Schlussgang jedoch gegen Matthias Glarner. Der Maienfelder hat in seiner Karriere bereits 75 Kränze gewonnen und 26 Kranzfestsiege erzielt. Nebst dem Sieg in Mollis sind seine weiteren Ausrufezeichen, die Schlussgangteilnahme am ESAF 2016, die Schlussgangteilnahme am Jubiläumfest 2024 in Appenzell, die drei Eidgenössischen Kränze (2016,2019 und 2022), die Bergfestsiege auf der Schwägalp 2016 und auf dem Weissenstein 2016 und 2024, sowie die vier Teilverbandsfestsiege in der Nordostschweiz und ein Teilverbandsfestsieg in der Südwestschweiz. Insgesamt holte Orlik neben den Eidgenössischen Kränzen 18 Bergkränze, 14 Teilverbandskränze und 40 Kantonalkränze.
Urner Team
Erstmals seit 1980 konnten die Urner zwei Eidgenössische Kränze an einem Fest gewinnen, und dies, obwohl die Urner Delegation lediglich mit vier Schwingern antreten durfte. Mit Lukas Bissig konnten die Urner einen «Neu-Eidgenossen» feiern und Matthias Herger holte nach Pratteln 2022 seinen zweiten eidgenössischen Kranz. Beide zeigten einen hervorragenden Wettkampf und durften demnach verdientermassen vor die Ehrendamen treten.
Der junge Attinghauser Lukas Bissig konnte das Fest als bester Innerschweizer mit 75.75 Punkten im Rang 5e beenden. Lukas Bissig startete hervorragend in den Wettkampf und konnte bereits im Anschwingen mit Mathieu Burger einen «Eidgenossen» bezwingen. Danach kam er es mit dem späteren Schlussgangteilnehmer Werner Schlegel zu tun, welchem er nach kurzer Gangdauer unterlag. Danach feierte er am Samstag zwei Siege gegen Christian Lanter und Sandro Galli. Am Sonntag startete er etwas unglücklich in den Tag und unterlag dem Nordwestschweizer «Eidgenossen» Adrian Odermatt. Mit einem Sieg gegen Severin Staub und einem Gestellten gegen den «Eidgenossen» Curdin Orlik musste ein Sieg im achten Gang realisiert werden, um den Kranzgewinn zu sichern. Dies tat er mit einem Plattwurf gegen den Zürcher Shane Dandliker.
Mattias Herger startete ebenfalls ideal in den Wettkampf und bodigte am Samstagvormittag die beiden Südwestschweizer Steve Duplan und Hugo Schläfli. Am Nachmittag bekam er es, wie Lukas Bissig zuvor, mit Werner Schlegel zu tun. Auch er musste sich das Sägemehl abwischen lassen. Abschliessend bezwang er am Samstag dann Paul Tournare. Sein Husarenstück kam am frühen Sonntagmorgen, indem er den Berner Mitfavorit Matthias Aeschbacher platt ins Sägemehl bettete. Im sechsten Gang musste er sich dann dem späteren König Armon Orlik geschlagen geben. Im siebten Gang bezwang er This Kolb, was für ihn hiess, kranzsicher zu sein. Zum Abschluss stellte er gegen den jungen Solothurner Marius Frank. Mit 75.25 Punkten beendet Matthias Herger das Fest im Rang 7i.
Mit Michael Zurfluh verpasste ein dritter Urner den Kranz nur knapp. Nachdem er am Samstag zwei Siege gegen Silvio Oettli und Sales Tschudin und zwei Niederlagen gegen Benjamin Gapany und This Kolb verzeichnen konnte, startete er perfekt in den Sonntag. Mit Siegen über Timo Gisler und Fabien Jaquaz durfte er sich berechtigte Hoffnungen auf den Kranz machen. Am Sonntagnachmittag wurde er jedoch sehr hart eingeteilt und musste gegen die beiden «Eidgenossen» Lars Voggensberger und Marcel Räbsamen, wohlgemerkt Schägalpsieger, zwei Niederlagen einstecken, was am Ende mit 73.25 Punkten und Rang 15b nicht zum Kranz reichte.
Der junge Seedorfer Raphael Briker durfte in Mollis erste Erfahrungen an einem eidgenössischen Anlass sammeln. Mit zwei gestellten Gängen gegen Marc Hänni und Adrian Aebersold, sowie zwei Niederlagen gegen This Kolb und Arjuna Fuster reichte es ihm nicht für die Teilnahme am Ausstich vom Sonntag.
Innerschweizer
Mit 10 Kränzen darf man aus Sicht der Innerschweiz zufrieden sein. Zumal man sich von Pratteln, mit sieben Kränzen, wieder steigern konnte. Erfreulich ist auch, dass mit Lukas Bissig, Sven Lang, Marc Lustenberger, Marco Reichmuth, Dominik Zangger und Silvan Appert sechs neue Innerschweizer «Eidgenossen» gekrönt wurden.
Insgesamt wurden 40 Kränze verteilt, davon gingen 12 an den Berner Schwingerverband, 10 an die Innerschweizer, 9 Nordostschweizer Kränze, 8 Nordwestschweizer und ein Südwestschweizer Kranz. 17 «Neu-Eidgenossen» durften sich von den Ehrendamen Eichenlaub aufsetzen lassen.